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Hemmnisse abbauen, Potenziale und Stärken feststellen. Die Situation von Langzeitarbeitslosen aus dem Bereich SGB II, deren Zugang zum Arbeitsmarkt in besonderer Weise erschwert ist
| , durch ganzheitliche Betreuung zu verbessern, ist das Ziel des Projektes PRIMUS der ARGE Saarbrücken. Hintergrund sind die bereits seit vielen Jahren bestehenden Schwierigkeiten, insbesondere Langzeitarbeitslosen, Geringqualifizierten, älteren Arbeitnehmern, Migrantinnen und Migranten sowie Menschen, die mit traditionellen Methoden und Instrumenten der Arbeitsmarktpolitik schwer erreichbar gewor-den sind, Chancen und Perspektiven zu eröffnen.
Das Projekt PRIMUS läuft von Januar 2010 bis zunächst einmal Dezember 2011 in Riegelsberg mit einer Größenordnung von 300 Bedarfsgemeinschaften. Der Betreuungsschlüssel liegt bei 1:40. Diese günstige Berater-Kunden-Relation stellt sicher, dass sich die Berater intensiv um jeden einzelnen Kunden kümmern können. So lässt sich eine größere Anzahl an individuellen Kontakten zu den Projektteilnehmern darstellen und auch eine höhere Beratungsqualität erzielen.
PRIMUS steht für
Projekt
Integrieren
MUt machen
Stärken stärken
„Nach nur vier Monaten Laufzeit des Projektes können wir schon eine erste positive Bilanz des neuen und innovativen Ansatzes ziehen, den PRIMUS verfolgt“, so Hans-Hartwig Felsch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Saarland. „Eine individuel-le und auch nachhaltige Betreuung und Stabilisierung nicht nur des Kunden, sondern der gesamten Bedarfsgemeinschaft, der Abbau von Hemmnissen durch gezielte Hilfsangebote und Qualifizierungen, immer mit Blick auf das Ganze, den Arbeits-, Sozial- und Lebensraum, sind aus meiner Sicht die Schlüssel zum Erfolg.“
Ein wesentlicher Aspekt für die Erprobung neuer Ansätze in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik ist die Zunahme der von Transferleistungen abhängigen Bevölkerungsgruppen in Folge einer globalisierten Wirtschaftswelt mit ihren veränderten Arbeitsmarktentwicklungen und -folgen. „Unsicherheit, Armut und sozialer Abstieg werden zu beängstigenden Schlagworten, denen die Sozialpolitik mit gezielten Programmen entgegenwirken muss. Wegen der komplexen Zunahme von Problemen werden adäquate, erfolgversprechende Modelle auf den Weg gebracht, mit denen klientenzentriert gearbeitet werden kann“, so Regionalverbandsdi-rektor Peter Gillo.
PRIMUS strebt im Rahmen eines strukturierten, planvollen Vorgehens an, bei den betreuten Kunden Potenziale und Stärken festzustellen, Hemmnisse abzubauen und Schritte in Richtung einer dauerhaften, Bedarf sichernden Integration zu gehen. Kernpunkte sind hierbei die Faktoren Vertrauen schaffen, Bindung aufbauen, Angst nehmen, Integrationshemmnisse realistisch einschätzen, Ressourcen erkennen, Training arbeitsfördernder Tagesstrukturen, Hilfe zur Selbsthilfe und Stärkung des Selbstvertrauens. Ebenso hohe Bedeutung kommt dem Prinzip der Freiwilligkeit zu – der Kunde entscheidet selbst, ob er in das Projekt aufge-nommen werden möchte. Über diesen Ansatz werden Zwänge und daraus resultierende Widerstände minimiert.
Für die Arbeit in PRIMUS ist eine umfassende Betreuung vorgesehen, die bei Bedarf
- Betreuung der gesamten Bedarfsgemeinschaft
- immer feste Ansprechpartner
- Zusammenarbeit mit anderen Hilfesystemen (psychologischer Dienst, Schuldnerbera-tung, Gesundheitsberatung, Drogenberatung, Kontakte zu Selbsthilfegruppen …)
- Informationsveranstaltungen (Vorträge zu gesunder Ernährung, Prävention…)
- Netzwerkarbeit (intern und extern)
- Schulungen vor Ort (Bewerbungstraining, EDV-Training, …)
- Kontakte zu Arbeitgebern (Hilfestellung bei Praktikumssuche, Vorbereitung auf Vor-stellungsgespräche, …)
- Begleitdienste
- Hausbesuche
- Angebote für Kinder (Nachhilfeunterricht, Betreuungsangebote, …)
beinhalten kann.
Die Atmosphäre ist durch eine respektvolle, unvoreingenommene und wertschätzende Hal-tung gegenüber den betreuten Menschen gekennzeichnet. Schwellenängste können so leichter abgebaut oder vermieden werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Projekt haben jederzeit die Möglichkeit, ihre Ansprechpartner aufzusuchen, um Unterstützung zu bekommen und mögliche Probleme zu besprechen, auch nach erfolgreicher Integration (z.B. Hilfe bei der Organisation des Alltags nach Arbeitsaufnahme).
In diesem Kontext erhält der systemische Beratungsansatz zentrale Bedeutung. „Unsere Kunden werden dort abgeholt, wo sie stehen. Das systemische Coaching, das das Gesamt-gefüge, die Familie und die darin herrschenden Muster betrachtet, hilft unseren Kunden, Denk- und Verhaltensstrukturen positiv zu beeinflussen und nachhaltig zu manifestieren. Es werden eben keine Patentlösungen angeboten, sondern vom Kunden selbst individuell pas-sende Strategien entwickelt. Unsere Arbeitsvermittler geben hierzu flankierende Hilfestellung“, so die Projektleiterin Eva Schimrigk. Teilweise haben die Berater es mit Kun-den zu tun, bei denen sich durch generationsübergreifende Muster vermittlungshemmende Strukturen verfestigt haben, die es durch eine vertrauensvolle und offene Beratungsarbeit aufzubrechen gilt. „Integrationsarbeit mit unseren Kunden vollzieht sich sehr oft in kleinen Schritten. Sie benötigen hinsichtlich einer Integration in den Arbeitsmarkt vor allem Zeit, Ver-trauen und auch Übung, positive Aspekte und neu Gelerntes zu integrieren.“
In der relativ kurzen Zeit, die das Projekt läuft, ist es gelungen, bereits dreizehn Projektteil-nehmer in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu vermitteln. Drei weitere Arbeitsaufnahmen stehen zum 01. bzw. 15. Mai an. Ein Projektteilnehmer konnte auf dem Weg in die Selbständigkeit unterstützt werden. Elf Männer und Frauen haben mit Unterstüt-zung ihrer Vermittler einen Mini-Job gefunden. Diese Form der Beschäftigung stellt in vielen Fällen ein „Sprungbrett“ in versicherungspflichtige Beschäftigung dar. In den nächsten Mona-ten werden einige dieser Mini-Jobs in versicherungspflichtige Tätigkeiten umgewandelt. Der Erfolg des Projektes lässt sich jedoch nicht nur rein zahlenmäßig in Integrationen in den ers-ten Arbeitsmarkt abbilden. Vermittlungshemmnisse bei Projektteilnehmern zu mildern oder abzubauen, Stabilität zu fördern und Hilfsprozesse abzuschließen sind ebenfalls Erfolge, die PRIMUS vorweisen kann.
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